"Theater der Unterdrückten"   nach Augusto Boal


Keine akrobatischen Leistungen sind angestrebt, sondern das Ausschöpfen all dessen, was in uns angelegt ist, denn nicht nur der Schauspieler, jeder kann Theater machen; nicht nur der Künstler kann Kunst machen – jeder Mensch ist ein Künstler.“ Augusto Boal


Der Brasilianer Augusto Boal (*1931-2009) entwickelte in den siebziger Jahren die Grundlagen des „Theaters der Unterdrückten“.

Aus der Situation von Militärdiktatur und Unterdrückung entwickelte Boal eine Reihe von Theatermethoden, die die Einbeziehung der Zuschauer/innen in Form eines echten Dialogs zum Ziel hat.

Das Theater der Unterdrückten verbindet politische Bewusstseinsbildung mit befreiender Pädagogik und nutzt das Theater als öffentliches Forum.




Im Forumtheater werden Szenen aus dem realen Leben entwickelt. Eine oder mehrere Personen spielen eine Szene, in der sie sich unterdrückt gefühlt haben bzw. nicht so handeln konnten, wie sie eigentlich wollten. Bei einer Aufführung können die Personen auf der Bühne ausgetauscht werden. Menschen aus dem Publikum werden zu Mitspielern und mit ihrem Veränderungsvorschlag wird die Szene nochmals gespielt. Auf diese Weise werden alternative Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Anwendungsbereich kann z.B. ein „Zivilcourage“ –Training sein oder Bereiche der Jugend- und Erwachsenenbildung.




Im Zeitungstheater werden Texte wie z.B. Zeitungsartikel szenisch umgesetzt. Alles ist erlaubt: Ob rhythmisches lesen, eine pantomimische Performance des Textes oder ein Mix von allem. Zeitungstheater kann als Agitationstheater verwendet werden oder ein Medium politischer Aufklärung sein.

Im Bildungsbereich wird mit Hilfe von Zeitungstheater eine intensive Auseinandersetzung mit dem Text angeregt. Die Methode ermöglicht einen kreativen Zugang zum Textverständnis sowie ein Hinterfragen von Konstruktionen und medial erzeugten Wirklichkeiten in der Presse.

Auch für antirassistische Bildungsarbeit ist die Methode bestens geeignet.





Bilder sagen mehr als Worte.“ Mit dem Bilder – und Statuentheater entwickeln Menschen nonverbal mit ihrem Körper ausdrucksstarke Standbilder zu verschiedenen Themen. Die Statuen können sich auch bewegen, Laute von sich geben und werden manchmal auch befragt. Mit Bildertheater kann eine Vielzahl von Themen bearbeitet werden. Auch für transkulturelle Workshops ist die Methode sehr gut, weil ohne verbale Sprache eine Begegnung stattfinden kann.



Unsichtbares Theater ist eine politische und künstlerische Aktionsform, bei der Theaterszenen im öffentlichen Raum aufgeführt werden. Die ZuschauerInnen werden zu Beteiligten: sie wissen nicht, dass sie sich gerade in einer Theaterhandlung mit offenem Ausgang bewegen, für sie ist – und bleibt – die Situation real. Es geht darum, sie zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Geschehenen anzuregen.

Unsichtbares Theater wurde ursprünglich in den 70er Jahren von dem brasilianischen Theatermacher Augusto Boal entwickelt und sollte unzensiertes politisches Theater im öffentlichen Raum auch in den Zeiten der lateinamerikanischen Militärdiktaturen möglich machen. Von Boal und anderen wurde es in den folgenden Jahrzehnten in verschiedenen, vor allem europäischen Kontexten praktiziert und weiterentwickelt. Auch im „Handbuch der Kommunikationsguerrilla“ taucht es als subversive szenische Strategie auf.

Unsichtbares Theater wird häufig unterschätzt, es gehört jedoch zu einer der anspruchsvollsten Techniken in Boals Theater der Unterdrückten. Wenn Theaterszenen im öffentlichen Raum real erscheinen sollen, müssen sie sehr überzeugend gespielt werden. Es geht nicht darum, PassantInnen zu veräppeln – Unsichtbares Theater hat nichts mit versteckter Kamera zu tun.


                                                                                                                                    

In dem "Regenbogen der Wünsche!" geht es um internalisierte Formen von
Unterdrückung, die unser Handeln und unsere Freiheit beschränken.        Der Ausgangspunkt sind Konfliktszenen mit denen gearbeitet wird.         Mit Hilfe von ausdrucksstarken Bildern werden verborgene Wünsche sichtbar gemacht, um sie zu erkennen und mit ihnen in Dialog treten zu können.

Im "Polizist im Kopf" geht es darum herauszufinden, welche
verinnerlichte Stimmen im Kopf vorhanden sind, die uns hindern etwas
gegen äussere Zwänge zu tun.

Beide Techniken sind sogenannte introspektive (nach innen gerichtete) Techniken, bei dem die Gruppe behilflich ist die "Polizisten im Kopf" und den verdeckten "Regenbogen der Wünsche" zum Leben zu erwecken.

Ich biete den "Regenbogen der Wünsche" auch als theatrale Supervision für Einrichtungen und Organisationen an.



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Augusto Boal ist gestorben, aber er ist nicht tot. Er wird nicht vergessen werden, sondern lebt weiter in seinen Büchern und in den vielen Theaterprojekten in denen nach seinen Methoden gearbeitet wird. Er hat mir ein Werkzeug an die Hand gegeben, politisch aktiv zu bleiben, ohne zu verhärten und eine Theaterphilosophie an die Hand gegeben, die die Kraft besitzt Menschen für die Veränderung von Gesellschaft zu begeistern. (Harald Hahn 4.5.09)